Sandra & Heiko Steinmann
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19.08.2018 | letzte Aktualisierung: 16.07.2018 |

 
Überlegen Sie genau

Bitte Herr, ich möchte nicht mehr verletzt werden. Wußest  Du, daß ich nur wollte, daß Du mich liebst und daß Du mir viel Lob und Zuneigung gibst?

Warum hast Du mich angeschrien und angebrüllt als ich mich schlecht benahm? Manchmal hast Du mich auch mißhandelt. Erinnere Dich, Du warst  es, der beschloß, mich nach Hause zu nehmen. Warum hast Du Deine Meinung  geändert, nachdem Du mich von meiner Mutter und meinen Geschwistern getrennt hast? War ich nicht mehr der gleiche, weiche, liebenswerte und kuschelige Welpe? War es falsch von mir zu erwarten, daß Du meine neue Familie bist?

Als ich in Dein Heim machte, war ich nicht so dumm wie Du  brülltest.

Es war für mich einfach natürlich überall und zu jederzeit irgendwo hinzumachen. Glaubst Du wirklich ich wollte versuchen Dir zu mißfallen?  Ich verstand einfach nicht, was Du von mir erwartest. Kannst Du Dir vorstellen,  wie gedemütigt und bedrückt ich war, als Du mein Gesicht in den Dreck gestoßen und mich hinausgeworfen hast? Oder wie Du mich quer duch das Zimmer getreten  hast und mich einen blöden, dummen Köter genannt hast? Ich habe, genau wie Du,  empfindliche und starke Gefühle. Wie konnte ich wissen, daß Deine neuen Stiefel  kein Spielzeug waren? Es war so langweilig ganz allein zu Hause zu sein und nichts zu tun zu haben. Ich wollte nur etwas zum Spielen und zum darauf  rumkauen. Wußtest Du, daß mein armer Körper mich noch Tage danach schmerzte? Und  doch hast Du Dich gewundert, warum ich wimmerte und bei jeder Berührung  zurückschreckte.

An jenen kalten Winternächten, an denen ich zitternd mit an das Glas gepreßter Nase dastand und leise wimmerte, um hereingelassen zu werden,  hast Du mich einfach ignoriert. Vor langer Zeit lernte ich nicht zu bellen. Ich  fühle immer noch Deine Schläge auf meinen Kopf als Du mich anschriest still zu  sein. Dort drin hast Du gesessen, warm und gemütlich an Deinem Feuer, hast Wein getrunken und Dein Lieblingsbuch gelesen. Oh, wie habe ich mich nach Deiner Gesellschaft gesehnt. Nur an Deiner Seite zu liegen oder vielleicht  zusammengerollt zu Deinen Füßen, wo Du mich ab und zu berühren konntest. Konntest Du nicht verstehen, daß ich Deine Liebe und Zuneigung brauchte, genau wie ich  Dir meine geben wollte? Vielleicht war es Dir einfach egal.

Erinnerst Du dich wie Du Dich über meine Haare aufgeregt hast, mir gesagt hast, ich sei ein stinkender, verwahrloster Hund? Glaubst du  nicht, ich würde es geschätzt haben, gebadet und gebürstet zu werden? Mein  Aussehen ist wichtig für mein Selbstbewußtsein - genau wie für Dich.

Du nahmst mich nicht einmal mit, um Spaß zu haben. Immer wenn Du in die Berge wandern gingst, ließest Du mich alleine Zuhause. Hast Du Dir nie gedacht, daß es mir gefallen würde zu rennen und neue Sachen zu  erkunden? Ich wäre schon glücklich gewesen, wenn Du nur Ball mit mir gespielt hättest. Aber nein, Du hattest keine Zeit für mich. Ich fühlte mich, als ob ich ein Mühlstein um Deinen Hals wäre.

Wie würde es Dir gefallen, allein zu leben, ohne Sozialkontakte, aus dreckigem Geschirr zu Essen und zu Trinken? Kannst Du mein Bett riechen? Es hätte schon vor Monaten gewaschen werden müssen.

Nun sieh mich an! Erst 18 Monate und zum Sterben verurteilt. Sie sagen, daß ich unberechenbar bin, daß ich gefährlich und bösartig sein  könnte. Das ist nicht wahr! Ich bin nicht so gemein wie sie sagen. Es ist nur, daß ich soviel Angst habe, daß mir wieder wehgetan wird und ich dann ohne zu denken reagiere. Später tut mir mein Verhalten leid und ich bedauere, daß ich  mich nicht beherrschen kann.

Wenn nur jemand versuchen würde, mich zu verstehen und mir helfen würde, meine Ängste zu überwinden! Ich brauche nur jemand bei dem ich  mich sicher fühlen kann, dem ich vertrauen kann. Jemanden der mir vertrauen  will. Ich habe mich innerlich nicht verändert, ich bin immer noch der  spaßliebende liebevolle Welpe, der ich war. Ich brauche Hilfe, um diese Gefühle  noch einmal ausdrücken zu können.